Deine Tätigkeit ändert sich? Du brauchst nicht jedes Mal eine neue Marke oder ein neues Branding.

  • 5 mins.
  • Enrico Kunze

Zusammenfassung

Es ist fast ein Reflex: Der Schwerpunkt verschiebt sich, eine neue Zielgruppe kommt dazu, aus der Behandlung wird auch Beratung – und sofort steht der Gedanke im Raum: „Dann brauche ich jetzt ein neues Logo. Eine neue Website. Vielleicht einen neuen Namen." Als müsste die aktuelle Marke sterben, damit du dich in deiner Angebotsvielfalt weiterentwickeln kannst. Meistens ist dieser Reflex falsch. Und er ist teuer: Du bezahlst nicht nur mit einem hohen Budget, sondern auch mit dem, was du dabei wegwirfst – deinem langjährig aufgebauten Wiedererkennungswert, Vertrauen, allem, was Menschen bereits mit dir verbinden. Die echte Frage ist: Ist das Fundament deiner Marke – ihre Identität – so aufgebaut, dass sie sich bei Veränderungen in deinem Angebotsportfolio mit dir mitentwickelt?

Zwei Anker, zwei Wege

Eine Marke kann an zwei Stellen verankert sein: an dem, was du tust – oder an dem, wie und warum du es tust.


Die Marke, die an deinem Angebotsportfolio verankert ist, beschreibt deine Leistungen: „Praxis für X", „Coaching für Y", ein Farbschema, das auf ein Tätigkeitsfeld hin konzipiert wurde, eine Website, die ausschließlich um dein Angebot herum gebaut ist. Solange sich nichts ändert, funktioniert das wunderbar. Aber in dem Moment, in dem du dich mit deinen Angeboten und Dienstleistungen weiterentwickelst, führt jede Veränderung unweigerlich zum Bruch deiner Marke. Und wir wissen alle: Veränderungen vollziehen sich immer schneller. Marken müssen deshalb zeitstabil gebaut sein, um mit diesen Veränderungen Schritt halten zu können.


Die Marke, die aus deiner Haltung heraus konzipiert wurde, beschreibt deine Art und deine Perspektive: wie du arbeitest und wie du mit Menschen umgehst. Eine solche Marke geht mit Veränderungen mit. Denn sehr wahrscheinlich wirst du in Zukunft hier und da neue Angebote aufnehmen und dir neue Bereiche erschließen – deine Haltung und deine Art, mit Dingen umzugehen, bleiben dabei dieselben. Eine Marke auf Grundlage deiner Identität gibt dir damit die Sicherheit, zeitstabil und auch budgetär die bessere Wahl getroffen zu haben.

Der Praxistest

Du kannst den Test bei dir selbst machen, in einer Minute: Nimm gedanklich zwei deiner Leistungen weg und schau dir dann deine Marke an. Funktioniert sie immer noch? Oder ist sie so stark an dein Angebot geknüpft, dass sie jetzt nicht mehr trägt?


Wenn sie nicht mehr funktioniert, ist deine Marke an der Tätigkeit verankert. Das ist keine Katastrophe – aber es erklärt, warum sich jede berufliche Weiterentwicklung bei dir wie ein drohender Neuanfang anfühlt.

Meine Methode: Identity-Centered Design

Meine Methode für Personal Brands heißt Identity-Centered Design. Sie beginnt bei deiner Identität: In Gesprächen und über Fragen nähern wir uns gemeinsam deiner Identität und deiner Haltung und verdichten beides zu einer inneren Logik. Erst daraus entsteht die Form – Positionierung, Sprache, Gestaltung. Form, die auf diesem Weg entsteht, muss bei Veränderungen nicht ersetzt werden.


Und das lässt sich an einem sehr guten Case von mir beobachten: Katrin Terwiel kam zu mir am Beginn ihrer Selbständigkeit, und gemeinsam haben wir ein Branding entwickelt, das auf ihrer Identität beruht. Seither haben sich Katrins Angebote stetig weiterentwickelt – und das Branding trägt nach wie vor. Ein gutes Beispiel dafür, was Personal Branding leisten kann. Die ganze Geschichte liest du in meinem Case, das Branding im Einsatz siehst du auf ihrer Website

Zur Website von Katrin Terwiel

Wann ein Neuanfang doch richtig ist

Der Ehrlichkeit halber: Es gibt zwei Fälle, in denen ich selbst zum Neuanfang rate. Der erste: wenn du in deiner eigenen Marke nicht vorkommst. Eine übergestülpte Schablone, ein Baukasten-Auftritt, ein Design, in dem du dich nie wiedererkannt hast – da gibt es nichts zu bewahren, weil du darin nie stattgefunden hast.


Der zweite Fall: Deine Haltung in deinem Beruf ändert sich grundlegend. Das kann passieren – Menschen entwickeln sich weiter, und in solchen Fällen kann es tatsächlich besser sein, eine neue Marke zu konzipieren. Das betrachtet man dann aber wirklich individuell im Einzelfall.

Wenn du an diesem Punkt stehst

Bevor du irgendetwas wegwirfst: Lass uns herausfinden, worauf deine Marke gebaut ist. Manchmal ist die Antwort ein behutsamer Umbau, manchmal die Bestätigung, dass alles trägt – und manchmal eben doch ein Neuanfang, dann aber aus gutem Grund.

Über den Autor

Hi, ich bin Enrico von cigarsauerkraut. Ich schreibe über Design, digitale Teilhabe und Inklusion – und helfe Marken, ihr strategisches Fundament in zukunftsfähige Designkonzepte zu übersetzen.

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